Die Stelen auf dem Alten Markt | Mecklenburgische Seenplatte

Die Stelen auf dem Alten MarktWaren (Müritz)

Arbeiten zur Warener Stadtgeschichte von Stephan Voigtländer

Sieben Stelen sind auf dem Platz zu sehen. Jede Stele hat einen Bezug zur Warener Stadtgeschichte. Die Geschichte bedingt die Gegenwart, und die Gegenwart produziert Geschichte. So sind die Dinge, die zur Übergabe der Objekte  Gegenwart waren, schon wieder Geschichte. Jedoch produziert die Auseinandersetzung mit der Geschichte den gegenwärtigen Gedanken des Betrachters.

  • Feuerlöschhaus
    Das Haus, das einst mitten auf dem Alten Markt stand, erscheint als Körper, der von einem pferdegezogenen Löschwagen durchdrungen wird. Die Wände des Gebäudes sind aus Löschwasser. Das wellenförmige Wasser involviert einen Trauerzug von Gestalten mit gleichen Gesichtern auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist ein Vorhang sichtbar, teils aus Wasser, teils aus Stoff, welcher eine Gedenktafel freigibt, auf der Fakten zum Zeitgeschehen stehen.
  • Viehmarkt
    Mit diesem Hochrelief offenbart sich ein Raster in Treppenform, auf welchem Schlachtvieh aufgebahrt ist. Hier verschmelzen Symbol und historischer Fakt. Auf dem Alten Markt wurden in der Vergangenheit Markttage abgehalten, die von der Bevölkerung sehr gut besucht waren. Die Akteure spielen auf drei sich durchdringenden Ebenen einen Markttag nach. 
  • Die Fische
    Dieser Quader präsentiert die Umgebung, in die der Alte Markt eingebunden ist. Die Müritz, die Kulturlandschaft,  den Tourismus als Wirtschaftsfaktor für die Region und nicht zuletzt das Katzenkopfsteinpflaster als historische Entsprechung.
  • Alltagsgeschehen
    Hier hat man es mit dem größten Würfel zu tun. Ein Fötus, eine Person, welche sich in eine Decke einhüllt, eine Frauengestalt sowie andere versteckte Leute, die sich in der Struktur fangen. Szenische Darstellungen des alltäglichen Daseins poltern in sich überschlagenden Ereignissen um einen Herren herum, der eine Mahlzeit einnimmt.
  • Der Kopf
    „Man nannte das, an den Pranger stellen“, ist hier als Aufschrift zu lesen. An einer der Stirnseiten des Alten Rathauses fand man einen Ring, an den Kriminelle gekettet wurden, um sie der Öffentlichkeit zu präsentieren. So sind um den Kopf drei sehr alte Bilderrahmen sowie ein Fernsehgerät gruppiert. Der Kopf ist frei erfunden.
  • Herzenesser
    Ein kleinerer Würfel findet sich gleich in der Nachbarschaft des Kopfes und behandelt einen der zahlreichen, historischen Stadtbrände. Die Bergung eines Opfers, ein Mann, welcher süße Herzen zu sich nimmt, ein Renaissancesäuleneingang und Köpfe, die in der Nachbarschaft mit Verpackungsmaterial für Konfekt erscheinen, sind hier zu sehen.
  • Überlandleitung oder Gaslampen
    Waren ist in den 1920-er Jahren an das Überlandleitungsnetz  angeschlossen worden, bis dahin gab es Gaslampen. Hierzu gibt es eine Begebenheit. Nachdem der Gemeinderat für das ehemalige Pfarrhaus mit 20 Räumen auch einen Anschluss an die Stromversorgung beantragt hatte, wurde dieser von der zuständigen Behörde mit der Begründung abgewiesen, dass das Pfarrhaus ja schon 5 Gaslampen hätte. Im Hochrelief erscheint hier die Kleinplastik eines Starkstrommonteurs bei der Arbeit an drei Hochspannungsmasten. Gegenüberliegend sind 20 Räume dargestellt, in denen nur 5 Gaslampen vorhanden sind. Rechts und links zeigen sich 20 Fernsehgeräte und 15 in ihren Gesichtszügen uniformierte Kinder. Weiterhin geht es um einen armen Fremdling, der vor dem Absturz bewahrt wird.

Stephan Voigtländer wurde 1965 in Greifswald geboren. 1982 absolvierte er eine Lehre zum Holzfacharbeiter mit Abitur. Er wurde Drechsler, Restaurator und Modellbauer. Anschließend absolvierte er ein Studium der Bildhauerei  an der Hochschule für Kunst und Design in Halle-Burg Giebichenstein. 1998 erhielt er sein Diplom und wurde bis 2000 Meisterschüler ebenda bei Prof. Bernd Göbel. Seit 2000 war er freischaffender Bildhauer, seit 2007 mit Lehrauftrag an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Er verstarb 2011 in Leipzig

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