Hausbootfahren in der Mecklenburgischen Seenplatte

Die Mecklenburgische Seenplatte ist Europas größtes Binnenrevier mit über 1.000 Bade- und Angelseen. Viele von ihnen sind über kleine Flüsse und Kanäle miteinander vernetzt. Vom Wasser aus lässt sich die Seenvielfalt der Mecklenburgischen Seenplatte am besten erkunden – ob nun mit einem Kanu, Angelkahn oder Hausboot. Das Hausboot ist die wohl komfortabelste Möglichkeit. Hier fährt die schwimmende Ferienwohnung immer mit und der Logenplatz am Wasser ist garantiert. Wer abends mit dem Hausboot in einer einsamen Bucht ankert, mit den letzten Sonnenstrahlen ins Wasser springt, der Natur zuhört und unterm Sternenhimmel den Tag Revue passieren lässt, weiß was Ruhe und Freiheit bedeuten. Wer sich in einem Hafen wohler fühlt, findet in der Mecklenburgischen Seenplatte eine einzigartige Infrastruktur mit hunderten Häfen und Liegeplätzen von idyllisch bis belebt. Die Landgänge führen durch kleine Fachwerkstädte, zu schönen Gutshäusern und durch ursprüngliche Natur soweit das Auge reicht.

Hier erfahren Sie alles, was Sie für Ihre Ferien auf dem Wasser wissen müssen:

 

Der Begriff Hausboot hat sich als Sammelbegriff für sämtliche Motorboote auf dem Wasser etabliert. Doch es gibt Unterschiede:

Pontonboote
Dazu zählen z.B. Febomobil, Riverlodge, BunBo oder Watercamper. Sie werden alle auf Schwimmkörpern – dem Ponton – gebaut . Ein Außenbordmotor sorgt für den Antrieb. Die Wände sind gerade, wodurch die Boote wie ein schwimmendes Ferienhaus wirken. Die Innenausstattung ist meistens sehr modern und orientiert sich am skandinavischen Stil. Außerdem sind die Boote ebenerdig und damit besonders für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Familien mit kleinen Kindern oder für Reisende mit Hund geeignet. 

Hausboote
Sie werden vorrangig aus Glasfaserverbundstoff (GFK), aber auch aus Stahl gebaut. Ihr abgeflachter Rumpfboden sorgt auch hier für wenig Treppen und ermöglicht eine geräumige Aufteilung der Kabinen. Ähnlich wie die Pontonboote haben sie einen geringen Tiefgang.

Motoryachten – Stahlyachten – Hollandyachten
Diese Booten besitzen einen spitz zulaufenden Schiffsrumpf und weisen dadurch sehr gute Fahreigenschaften auf. Häufig werden diese noch durch ein Bug- und/oder Heckstrahlruder unterstützt. Über das Oberdeck gelangt man über eine Treppe in den Salon mit Küche. Mehrere Kabinen und Bäder verteilen sich über das Schiff. Teakholz und seemännisches Interieur sind für ältere Boote typisch. Schiffe neueren Datums orientieren sich an heller Laminatoptik mit grau melierten Sitzbänken.

Kajütmotorboote 
Diese kleinen, wendigen Motorboote sind für 2 Personen ideal. Ihr Komfort kann sehr schwanken. Eine Toilette ist an Bord. Eine Dusche ist allerdings nur bei einigen Booten vorhanden. Unter Deck gibt es meistens einen Salon mit einer Pantryküche sowie einer Schlafkabine. Die Boote gelangen durch ihren geringen Tiefgang auch in Nebengewässer.

Führerscheinfrei sind Boote unter 15 PS. Für Boote, die darüber liegen tritt in der kompletten Mecklenburgischen Seenplatte die Charterscheinregelung in Kraft. Das bedeutet, dass der Bootsvermieter vor Fahrtantritt eine circa 3-stündige theoretische und praktische Einweisung gibt. Dabei wird das 1x1 des Bootfahrens erklärt. Der Charterschein ist für den Zeitraum des Urlaubs gültig.

Welche Boote darf ich mit dem Charterschein fahren?

  • Personenzahl: 2-12
  • Max. Geschwindigkeit: 12 km/h (die meisten Boote sind gedrosselt)
  • Max. Bootslänge: 15 m

Wo darf ich mit dem Charterschein und ohne Bootsführerschein fahren?

  • Das führerscheinfreie Revier ist vom Gesetzgeber genau festgelegt. Die Müritz, die Mecklenburgischen Großseen, die Kleinseenplatte inklusive Rheinsberg, die Obere-Havel-Wasserstraße von Neustrelitz bis Liebenwalde, die Müritz-Elde-Wasserstraße von Plau am See bis zur Elbe sowie der Wasserweg nach Schwerin sind mit dem Charterschein befahrbar. Dieses Revier ist in einem Stück miteinander verbunden. Wer ein Boot mietet, braucht hier keinen Bootsführerschein.

Müritz & Co – die Großseenplatte

Im Norden liegen die großen Seen: Müritz, Kölpinsee, Fleesensee, Malchower See und Plauer See. Zwischen Plau im Nordwesten und Mirow im Süden gibt es keine Schleusen. Die Weite der Seen ist beeindruckend. Das bedeutend aber auch, dass sich an windigen Tagen eine beachtliche Welle aufbauen kann. Ab Windstärke 4 ist das Befahren verboten.

Die Müritz ist mit 112,6 km² der größte Binnensee Deutschlands. Das gesamte Ostufer darf nicht befahren werden, da es zur Schutzzone des Müritz Nationalparks gehört. Zudem ist es sehr flach.

Städte am Müritzufer:

  • Waren ist mit seinen 21.000 Einwohnern die größte Stadt an der Müritz. Die hübsche Altstadt mit zwei mächtigen Backsteinkirchen, der lebendigen Fußgängerzone und quirligen Hafenpromenade ist ein beliebter Anlaufpunkt für jeden Skipper. 
  • Das Stadtbild von Röbel hat seinen Ursprung im Mittelalter. Damals trennte sich die slawische Altstadt von der deutschen Neustadt. Beide Ortskerne entwickelten sich autark voneinander. Deswegen gibt es direkt am Müritzufer eine große Backsteinkirche, von deren Turm sich ein grandioser Panoramablick auf die Müritz offenbart. Über eine langgezogene, mit Fachwerkhäusern gezierte Straße führt der Weg zum Markt mit Rathaus und einer weiteren Backsteinkirche.
  • Rechlin liegt an der Binnenmüritz und besitzt eher dörflichen Charakter. In Rechlin Nord befinden sich die Charterbasis und das Werftgelände von Kuhnle-Tours. 1930 wurde hier eine Erprobungsstelle der deutschen Luftwaffe errichtet, die später Truppenstützpunkt der Sowjetarmee wurde.  In Rechlin-Nord informiert ein Luftfahrtechnisches Museum über die Geschichte.

Kölpinsee – hier liegen die Aalfanggründe der Müritzfischer. Auf der Natur belassenen Halbinsel Damerower Werder am Nordufer befindet sich ein Wisentreservat.

Fleesensee – Der Haussee des Land Fleesensee mit Schlosshotel, mehreren Restaurants, 5 Golfplätzen, Fleesensee Spa uvm. Zum Anlegen gibt es zwei Häfen.

Malchower See – Der schmale, eher flussähnliche See macht die Altstadt von Malchow zu einer Insel. Weithin sichtbar ist die imposante Klosterkirche, die heute ein Orgelmuseum beherbergt. Ein Damm, der nicht durchfahren werden kann, verbindet die Altstadt nach Osten mit dem Festland. Im Westen befindet sich eine Drehbrücke, die nur von kleinen Tagesbooten passiert werden kann. Größere Boote müssen auf den Brückenwärter warten, der immer zur vollen Stunde die Brücke öffnet. 

Plauer See – Am Westufer weist Paul der Leuchtturm den Weg in das pittoreske Fachwerkstädtchen mit der markanten, blauen Hubbrücke. Eine herrliche Promenade mit zahlreichen Restaurants zieht sich an der Metow entlang. Nachdem die Elde durch die großen Seen floss, verläuft sie hier in einem schmalen Flusslauf bis zur Elbe nach Dömitz. 

Elde

Zwischen Dömitz und Plau mäandert die beschauliche Elde. Charakteristisch sind familiäre Häfen wie in Neustadt-Glewe und Neu-Göhren oder kleine Fachwerkstädte wie Parchim und Grabow. In Lübz gibt es noch einen erhaltenen Burgturm. Die Elde überwindet einen Höhenunterschied von 49 Metern, der mit 17 leicht zu bedienenden Selbstbedienungsschleusen ausgeglichen wird. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 6 Km/h – beschauliches Flusswandern ist also garantiert und das Schleusen auch gar nicht schlimm. Übung macht hier den Meister.

Über den Störkanal gelangt man in die Landeshauptstadt Schwerin mit dem märchenhaften Schloss. Kulturfans finden dort ein abwechslungsreiches Festival- und Galerieprogramm, aber auch eine bunte Ladenvielfalt.

Kleinseenplatte

Südlich der Müritz verweben sich Hunderte Seen zu einem Netz für Angel- und Kanufans, Anker- und Badefreunde. Ideal für jeden, der den Kontakt zu urigen Hafenmeistern sowie kurze, besondere Landgänge sucht. In dem Gebiet gibt es hin und wieder eine Schleuse. An warmen Sommerwochenenden in der Hochsaison kann es etwas voller werden, und Wartezeiten sollten eingeplant werden.

Highlights für Landgänge in der Kleinseenplatte:

  • Mirow: Auf der Schlossinsel liegt das historische Ensemble aus Barockschloss, 3 Königinnen Palais, Remise und Johanniterkirche. Sophie Charlotte wuchs in diesem Idyll auf. Durch Heirat mit King Georg III wurde sie später Königin von England. Auf der Schlossinsel gibt es einen Anleger mit dem wohl beliebtesten Hafenmeister der Seenplatte: Ole. Der Ort selber ist wenig spektakulär. Drei Supermärkte sorgen dafür, dass die Vorräte wieder gut aufgefüllt werden können.
  • Granzow  bei Mirow: Motorboote dürfen bis zu diesem Anleger fahren, danach ist Schluss, da die Schutzzone des Müritz Nationalparks beginnt. Am Ufer liegt ein Ferienpark mit Mini-Golf, Abenteuer-Spielplatz, Reiterhof, Rad- und Kanuverleih. Besonders schön ist eine Kanutour ins Seerosenparadies.
  • Kleinzerlang: kleiner Ort mit familiengeführtem Hafen – Boot und Mehr. Zahlreiche Stammgäste machen hier jährlich halt.
  • Priepert: kleiner, beschaulicher Ort mit großem Anleger in wunderschöner Abendsonne
  • Rheinsberg: Hübsches Städtchen mit dem Rheinsberger Schloss, dem Kurt Tucholsky mit seinem Roman „Ein Bilderbuch für Verliebte“ ein literarisches Denkmal setzte.
  • Marina Wolfsbruch - Feriendorf mit Hafen samt Spielplatz, Plaza mit Pizzeria, Indoor-Schwimmbad und Wellness
  • Wesenberg: Kleines Städtchen mit mittelalterlicher Burg, heute Sitz der Touristinfo. In einem Seitentrakt befindet sich das Fischereimuseum.
  • Neustrelitz: Endstation für Hausboote, schöner Hafen umringt von alten Speichergebäuden. Die ehemalige Residenzstadt der Mecklenburg-Strelitzer Herzöge wurde nach einem Stadtbrand 1733 als Planstadt mit europaweit einzigartiger barocker Stadtanlage konzipiert. Das Schloss überlebte den Zweiten Weltkrieg nicht. Erhalten blieben die neugotische Schlosskirche, die klassizistische Orangerie und der Marstall.

Fischereihöfe: Fast überall in der Seenplatte gibt es rustikale, ursprüngliche Fischerhöfe, wo gefangen, verarbeitet und frisch geräuchert wird – ideal für den Mittagsimbiss oder ein frischer Fisch für die Bordküche.

Fischerhöfe

Müritz und Großseen: Waren, Eldenburg, Dammerow, Plau, Vipperow, Alt Schwerin
Kleinseenplatte: Mirow, Wesenberg, Canow, Ahrensberg, Flecken Zechlin

Nördlich von Neustrelitz liegen die Havelquellseen. Wer dem Lauf der Havel folgt, gelangt von Neustrelitz über Wesenberg und Fürstenberg bis nach Berlin-Spandau. Durch Berlins Mitte führt die Spree. Die Havel durchfließt Potsdam, Brandenburg Stadt und Rathenow. Kurz hinter Havelberg fließt sie in die Elbe. Von dort geht es flussaufwärts bis Dömitz. Anschließend geht es dann die Elde entlang und über die Oberseen und Müritz wieder in die Kleinseenplatte. Für diese Tour ist ein Bootsführerschein notwendig. Zeitlich sollte man drei Wochen einplanen.

Sind Karten an Bord?
Bei führerscheinfreien Fahrten müssen sich geeignete Wasserstraßenkarten an Bord befinden. Sie können auch gerne eigene Karten und Revierführer mitbringen.Empfehlenswert sind z.B. der Törnatlas und Törnplaner von www.quickmaritim.de

Wie weit komme ich in an einem Tag? 
Die Boote fahren maximal 12 km/h. Auf einigen Wasserstraßen und in Kanälen liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 9 km/h. Auf der Elde sind nur 6 km/h erlaubt. Die Angaben stehen in den Gewässerkarten. In der Hochsaison kann es an den Schleusen zu Wartezeiten kommen. Bei einer Bootsfahrt fährt man täglich ca. 5 Stunden, also 45 bis 50 Kilometer.

Wo kann ich anlegen/übernachten?
Nahezu flächendeckend sind Häfen, Marinas, Vereine und Anleger vorhanden. In der Hauptsaison kann es in begehrten Häfen voll werden. Ausweichmöglichkeiten gibt es meistens im näheren Umkreis. Die Hafenmeister sind oft sehr hilfsbereit und helfen beim Anlegen. Die Kosten richten sich nach der Bootsgröße. Der laufende Meter kostet ca. 1,50 €, manchmal kommt noch eine Personengebühr hinzu.

Bootfahren und Schietwetter, was tun?
Stadt- oder Schlossbesichtigungen, ein Thermen- oder Museumsbesuch sind gute Alternativen bei Regen.

Wo darf ich ankern?
In ruhigen Gewässern und geschützten Buchten. In der Fahrrinne und in Kanälen ist ankern untersagt.

Wie funktioniert das Schleusen und wie viel kostet das?
Schleusen erklärt Ihnen Ihr Bootsvermieter bei der Einweisung. Nur so viel: wenn Sie Ruhe bewahren, ist es sehr leicht. Das Schleusen ist kostenfrei.

Wie lange sind die Schleusen geöffnet?
In der Regel bis 19.45 Uhr. In den Sommerferien länger. Eine Übersicht mit aktuellen Schleusenzeiten sollte Ihnen Ihr Vermieter zur Verfügung stellen können. Genaue Informationen finden Sie auch bei www.elwis.de.

Hausboote führerscheinfrei mieten

Wo kann ich Boote mieten? Charterfirmen gibt es überall im Gebiet - ausgewählte Anbietern finden Sie hier:


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