Orte wie aus der Zeit gefallen: Im ursprünglichen Tal der Tollense

Hohenbüssow - Wie eine Fata Morgana erhebt sich die mächtige Tudorschloß-Kulisse von Schloß Broock in die saftige Ebene des Tollensetals. Greifbar indes werden sollen Visionen, die Berliner Architekten für diesen Ort mit seinem maroden Charme hegen: Hier, zwischen Berlin, Hamburg und Stettin, soll Broock im Rahmen eines Genossenschaftsprojekts Kulturort werden, bespielbar für ein gigantisches Freiluftfestival und ähnliches. Als Tor und Orientierung hierher soll der nahe Bahnhof Sternfeld gelten. Die Tollensetaler Initiativen sind begeistert. Schließlich haben sie es schon geschafft, die weite Gegend vor Massentierhaltung und damit deren Reiz zu bewahren. Wie konservierte Zeit etwa wirkt das barocke Heilbad Hohenbüssow auf einer Anhöhe.

Wietzow - Wietzow im Tollensetal ist ein Künstlerdorf an der Tollense. Kopfsteinpflaster, freundliche BlumenKaten, bemalte Briefkästen. Puppenspieler, Musiker, Maler, Lebenskünstler und eine großartige Holzbildhauerin sind hier zu Haus: Christina Rode. Ihre tänzerisch-träumerischen Skulpuren bevölkern das lichte Atelier und entweichen mitunter auch dem Garten, um zu sinnen. Wenn der Eintretende die Ateliertür öffnet und das Licht hineinlässt, ist es, als ertappte er die Figuren in einer Bewegung und sie halten mitten darin inne, als habe man sie in ihrem intimsten Eigenleben gestört. So scheinen sie sich duldsam auch immer wieder zu verändern, je nachdem, wann und wie oft man sie schauen darf. „Die Skulpturen entspringen dem Holz, dem Leben, dem Bauch und meinem Herzen“, so beschreibt sie die Künstlerin selbst am allerbesten. Spazierenswert ist auch der Gutspark.

Schmarsow - Trutzig und verschnörkelt behauptet sich Schloß Schmarsow gegen die asphaltierte Dorfstraße. Auf der ist es so ruhig, dass hier ungestört die Tauben gurren und Pfauen trompeten. Die Dreiflügelanlage im Renaissancestil ist eine der ältesten im Land, und auch im Innern kann man die Historie spüren – beim Öffnen der riesigen Kastenfenster oder beim Schauen an die himmelwärts ragende Zimmerdecke. Das Berliner Architektenpaar Ruiken-Fabich hat das unmittelbar nach dem Desaster des Dreißigjährigen Krieges erbaute Schloß stilvoll, originell und mit Liebe zum Gast restauriert: Der darf sogar von Silberbesteck, mit denen die Hotelzimmer detailreich ausgestattet sind, essen. Na dann – Friede, Freude, Eierkuchen, wie es über einer breiten Tür steht.

Neu Tellin - Glücklich fern ab vom Ahrenshooper Touristenrummel wohnt das Ehepaar Löber am Ende eines Weges, der in einen grünen Töpferhof bei Neu Tellin mündet. Wer die unverwechselbare Löbersche Keramik zu schätzen weiß, findet gern auch hierher. So wie die Libellen auf Teller und Tassen gefunden haben, als seien sie darauf geflogen. Da scheint es nicht von ungefähr, dass der Mädchenname von Tine Löber „Puttnies“ ist, was „Vögelchen“ bedeute. Das Töpferhandwerk spielt in der Familie Löber eine große Rolle. Joachim Löber ist übrigens der Neffe der Keramikerin Wilfriede Maaß, in deren legendärer Prenzlauer-Berg-Küche es zu Vorwendezeiten schließlich ordentlich gebrodelt hat.

Klempenow - Wie ein Zahnstift steckt der spitze kegelförmige Turm auf dem trutzigen Rumpf der weithin sichtbaren Burg. Mitunter tummelt sich rings um das 800 Jahre alte Adelsgemäuer an der Tollense ein buntes Völkchen: zu legendären Festen wie Sommer-, Appel- und Weihnachtsmarkt. Interessant sind auch das Filmfest „Neue Heimat“ und „Transit“ mit Dutzenden internationalen Bands. Alltags ist es eher ruhig, ein Café hat geöffnet und ein Kramstübchen im Torhaus.

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