ESF-gefördertes Projekt: Corona-Krise bedingtes Informationsmanagement in der Destination Mecklenburgische SeenplatteMecklenburgische Seenplatte

Eine aus der Corona-Krise heraus bedingter wissentechnisch neuer und quantitativ gewachsener Informationsbedarf von Gästen und Gastgebern zur Stabilisierung des Seenplatte-Tourismus soll durch eine Personalstelle sichergestellt werden.

Die Mecklenburgische Seenplatte (MSE) ist vom Tourismus direkt abhängig. Steigerungen von Übernachtungs- und Tagesgästen waren Wachstumsmotor und Herausforderung zugleich, denn die kontinuierlich wachsende Gästezahl in MSE braucht verlässliche und kompetente Gästeberatung. In der Seenplatte informieren derzeit ca. 35 Gästeinformationen Urlauber zu touristischen Angeboten und Leistungen. Hinzu kommen hunderte touristische Anbieter, von großen Ferienparks bis zu Kleinstferienwohnungsvermietern, die Gäste empfangen und beraten.

Das pandemiebedingte Reiseverbot verursachte einen enormen Schaden in der Tourismuswirtschaft sowie in den von ihr abhängigen Bereichen von Handel, Dienstleistungsgewerbe, Verkehrswirtschaft, Bauwirtschaft und Kultur. Hilfen für Unternehmen sind unabdingbar. Unsichere Botschaften zu einer Wiederöffnung führten zu Verunsicherung bei Touristen, sodass mehr als 35% aller Deutschen (Befragung Deutschlandtrend) ihren Urlaub storniert / noch nicht gebucht haben.

Die Willkommenskultur leidete, da Urlauber aus ihren Unterkünften in M-V ausquartiert werden mussten. In 22% der Fälle (Befragung TMV) traten dabei Probleme auf. In Verbindung mit negativen Zeitungsberichten, verursachte es einen nachhaltigen Imageschaden. Durch Vorbehalte und Ängste in der Bevölkerung leidet die Tourismusakzeptanz. Die Reise-Lockerungen ab Ende Mai 2020 sind mit Auflagen und einer Betriebs-Kapazitätseinschränkung auf 60% verbunden. Gleichzeitig ist die Gästenachfrage um 160% gestiegen (Quelle TVMSE). Viele sind Neukunden, die ihren Urlaub nicht im Ausland machen können.

Gäste, Betriebe und Einwohner befinden sich in einer unsicheren und sich ändernden Sachlage. Der Bedarf an stets aktuellen Informationen, an Begleitung bei der Umsetzung von Standards und an Kompetenzentwicklung ist enorm gestiegen und wird aufgrund der Prozessdynamik mittel- und längerfristig erhöht bleiben (zusätzlich zur gestiegenen alltäglichen Arbeit). Ebenfalls müssen die Willkommenskultur und das Image der Seenplatte gestärkt werden. Die Branche bleibt trotz Lockerungen in ihrer Existenz bedroht und ist auf Hilfskonjunkturpakete angewiesen.

Die Schäden für Unternehmen werden erst in 2021 deutlich. Als TVMSE möchten wir uns diesen Aufgaben stellen. Die Kapazitäten des TVMSE reichen in der aktuellen Lage nicht aus um den enormen Arbeitsbedarf nachzukommen. Der Verband benötigt dringend Unterstützung.


Ziele des Projektes:

  1. Stabilisierung der Tourismuswirtschaft in MSE während und in der Folgezeit der Pandemie durch den Ausbau der Krisenmanagementstrukturen und -prozesse des TVMSE.
  2. Verhinderung der Covid-19-Ausbreitung und eines Reiseverbots durch kompetente und zeitnahe Beratung von Gästen und Anbietern.
  3. Sicherung von Schutzstandards durch Bereitstellung zuverlässiger und aktueller Informationen zu Verordnungen und Hygieneanforderungen für Leistungsträger und Gäste.
  4. Sicherung einer schnellen Reaktionszeit durch regelmäßige und kontinuierliche Abstimmung zw. allen Partnern in MSE.
  5. Nachhaltiger Wiederaufbau der Willkommenskultur und des Images durch professionellen Umgang mit Beschwerden, abgestimmte Reaktionen auf Medienbeiträge sowie positive und sachlich richtige Botschaften in Richtung der Gäste.
  6. Fachlich kompetente Beratung der Politik und der Verwaltungsorgane zu notwendigen Maßnahmen.

Umsetzung des Konzepts:

Das Projekt unterteilt sich in verschiedene Leistungen und Aufgaben, die im Projektzeitraum 2020/21 und noch darüber hinaus durchzuführen sind. Dies sind im Wesentlichen folgende:

  • Branchenkommunikation
    • Professioneller Ausbau und Strukturierung einer digitalen Kommunkationsplattform für die Tourismusbranche (Intranet) in der Mecklenburgischen Seenplatte.
    • Einbindung regionaler Gästeinformationszentren und Anbieter in diese Plattform (inkl. Schulungen für die Nutzung der Plattform).
    • Kontinuierliche Ermittlung von Informationsbedarfen touristischer Anbieter in regelmäßigen digitalen Konferenzen, Recherche zu und Bereitstellung der notwendigen Informationen.
    • Unterstützung der Anbieter in der eigenständigen Vernetzung untereinander.
    • Erarbeitung und Abstimmung von Vorlagen / Leitfäden in der Kommunikation mit Touristen.
  • Kommunikation mit dem Gast
    • Ermitteln neuer Gästeinformationsbedarfe / spezifischer Bedarfe der Neu-Touristen (rechtliche Fragen zu Buchungen und Stornierungen, Hygieneanforderungen etc.), Recherche und Strukturierung dieser Informationen (visuell und inhaltlich), Entwicklung von Konzepten zur professionellen Gästeberatung ggf. in Zusammenarbeit mit Drittanbietern.
    • Entwicklung und Professionalisierung der Kommunikation zu Stammtouristen / Neukunden (sowohl vor sowie während des Aufenthalts) über digitale Kanäle (Social Media, Chatfunktionen, Telefonberatungen, eigene Onlineplattform etc.) auf Basis der erarbeiteten Konzepte, Optimierung von Marketingmaßnahmen und -botschaften sowie Einbindung dieser in aktuelle Kampagnen des Landes und deutschlandweit agierender Partner (bspw. Deutsche Bahn).
    • Inhaltliche Weiterentwicklung vorhandener Datenbanken und der darin vorhandener Angebote (Informationen zu Museen, Sehenswürdigkeiten, naturtouristischen Führungen, Mobilitätsangeboten etc.) auf Basis ermittelter Bedarfe. Nachfragegerechte Bereitstellung von Informationen (visuell und inhaltlich) auf vorhandenen Onlineplattformen (mecklenburgische-seenplatte.de, mueritz-rundum.de, ansommern.de, herbsturlaub.1000.seen.de etc.)
    • Inhaltliche Entwicklung von digitalen Anwendungen zur Verbesserung der Besucherlenkung und dem Nachvollziehen von Besucherströmen. Kommunikation dieser Anwendungen an Touristen und damit zusammenhängende Erprobung und Optimierung.
  • Kommunikation zu Politik und Fachverbänden
    • Monitoring der Entwicklungen in der Tourismusbranche (Gästenachfrage, Unternehmensauslastung, Notwendigkeit von Hilfen, Anwendbarkeit von Verordnungen etc.)
    • Vernetzung und Abstimmung mit regionalen und überregionalen Fachorganisationen in M-V und benachbarter Bundesländer (DEHOGA, IHK, BVCD, DTV, TMV, WIN etc.)
    • Bündelung der Bedarfe der Tourismusbranche der Mecklenburgischen Seenplatte (Gäste wie Betriebe) in Stellungnahmen, Schreiben und Veröffentlichungen.
    • Beratung lokaler, regionaler und überregionaler politischer Akteure.
    • Erarbeitung und Abstimmung von Reaktionsplänen und Krisenkonzepten mit touristischen Anbietern der Region und Fachverbänden.
    • Mit-Konzeption nachhaltiger und krisenfester Destinationsentwicklung / Identifikation neuer notwendiger Projekte zur Krisenbewältigung.
  • Fortbildungen und Informationsbereitstellung
    • Konzeption und Bereitstellung von Coachings und Fortbildungen für touristische Anbieter zu Rechtsfragen, Entwicklungen in der Reisebranche, professioneller digitaler Kommunikation, Krisenmanagement etc. ggf. in Zusammenarbeit mit Drittanbietern.
    • Bereitstellung von Studien und Recherchen für Partner in MSE
    • Eigene Teilnahme an Seminaren und Coachings (Rechtsfragen, Digitale Kommunikation etc.)
    • Durchführung von Analysen, Befragungen und Erhebungen

Diese Ideen sollen unter Beteiligung lokaler Partner weiter ergänzt und differenziert werden. Sie werden zum Bestandteil von Krisenmanagementstrukturen und -prozessen, auf welche die Tourismusbranche in MSE je nach Bedarf zurückgreifen kann und soll.


Gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) in der Förderperiode 2014-2020 durch die Europäische Union.