Es ist der immergleiche, wiederkehrende Alptraum, den Hauptfigur Paula, gespielt von Luna Wedler, in “Marianengraben” hat. Ein Alptraum, der sie in Dunkelheit hüllt, ihr die Luft zum Atmen nimmt, all ihre Lebensenergie. Ein Alptraum, in dem ihr verstorbener Bruder Tim auftaucht, ertrunken mit gerade mal neun Jahren. Auf dem Friedhof, ihrem Rückzugsort zum Trauern für diesen Abenteurer und Meeresforscher, wie es auf seinem Grabstein steht, lernt sie eines Nachts durch Zufall den alten kauzigen Helmut kennen. Die beiden bilden eine Schicksalsgemeinschaft, eine Zweckbekanntschaft.
Helmut will die Asche seiner Ex-Frau im Süden verstreuen, Paula will Tim nahe sein. Es sind zwei Sonderlinge im Wohnmobil auf dem Weg nach Süden, die eine Sache eint: die Trauer um einen geliebten Menschen, den Wunsch, ihnen erneut nahe zu sein, denn auch Helmut hat nicht nur seine Ex-Frau verloren, sondern einst auch seinen Sohn.
Die Tonalität in “Marianengraben” ist sentimental. Immer wieder gibt es – der Romanvorlage entsprechend -, Selbstgespräche von Paula mit Tim, in Rückblicken und Flashbacks, als eine Art innerer Monolog. Dann gibt es, in der Gegenwart, die ungewöhnliche, langsam aufkeimende Freundschaft zwischen Helmut und Paula – und zwei Tieren: Helmuts Hund Judy und einem zugelaufenen Huhn, Lutz.